Mehr zum Euro:
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mein neues Buch Rettung
vor dem Euro für EUR 15,-, Ich zeige darin, welche Auswege es aus dem Dilemma gibt,
sowohl für Sie als auch für Europa. Das Buch ist spannend, glauben Sie
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Was ist ein soziales Dilemma?
Ein soziales Dilemma ist die verallgemeinerte Form eines Spiels, das
man unter dem Namen Gefangenendilemma
kennt.
In einem sozialen Dilemma gibt es eine kollektiv wünschenswerte
Verhaltensweise, bei der die Gemeinschaft insgesamt am besten abschneidet.
Gleichzeitig hat aber jeder einzelne Spieler einen Anreiz, von diesem
Verhalten abzuweichen. Das liegt daran, dass er sich individuell durch
Abweichen immer besser stellt, egal ob die anderen mitmachen oder nicht.
Spieltheoretisch handelt es sich um eine dominierte
Strategie.
Ein soziales Dilemma ist ein Spiel, dessen Regeln die Kooperation
unter den Teilnehmern verhindern.
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Der Euro ist ein soziales Dilemma
Der
Euro hat Konstruktionsfehler, weil er gegen ganz elementare
spieltheoretische Erkenntnisse verstößt: Er ist ein „soziales
Dilemma“. Dieser Konstruktionsfehler ist so gravierend, dass er eine
Gefahr für den gesamten Wohlstand Europas darstellt. Lesen Sie hier,
woran das liegt.
Wie verhindert man Kooperation?
Es gibt sehr wirksame Mittel gegen die Kooperation.
Das mag seltsam klingen, aber ich sagen Ihnen gleich, in welchen Fällen
man tatsächlich die Kooperation zwischen Menschen verhindern will und wie
die Mittel gegen Kooperation aussehen.
Hier nur so viel: Man erkennt diese
Kooperationskiller oft nicht sofort, weil sie getarnt daherkommen. Und
dann kann es passieren, dass man sie versehentlich anwendet, wenn man
eigentlich gerade will, dass die Menschen kooperieren. Genau das ist beim
Euro passiert: Wir haben Mechanismen geschaffen, von denen wir glauben,
sie würden die Kooperation unter den europäischen Ländern fördern;
dabei bewirken Sie das genaue Gegenteil.
Sehen wir uns zunächst an, wie Kooperationskiller
funktionieren:
Es gibt Situationen, in denen Menschen etwas tun möchten,
was andere nicht wollen. Wenn wir es zum Beispiel für gesellschaftlich
schlecht halten, dass es Kartelle gibt, dann versuchen wir Regeln zu
erlassen, die Kartelle verhindern. Da Kartelle nichts anders sind als die
Kooperation von Konkurrenten, sind Anti-Kartell-Gesetze gute Beispiele für
Regeln, die Kooperation verhindern sollen.
Diese Regeln funktionieren nach einem einfachen
Prinzip: Man schafft eine Situation, in der es für jeden einen Vorteil
hat, einzeln aus dem Kartell auszuscheren. Dann stehen alle potenziellen
Kartellmitglieder vor einem Dilemma: Wenn sie beim Kartell mitmachen, dann
verdient zwar die Gruppe als ganzes mehr, aber jeder einzelne könnte noch
mehr verdienen, indem er ausschert. Indem aber jeder ausschert, gibt es
das Kartell nicht mehr. Und wenn es das Kartell nicht mehr gibt, lohnt es
sich erst recht „auszuscheren“. In der Sprache der Spieltheorie nennt
man das eine dominante Strategie: Auszuscheren ist für den
einzelnen immer besser als mitzumachen, egal was die anderen tun. Und weil
das für alle gilt, macht niemand mit, obwohl mitmachen für die gesamte
Gruppe sehr lohnend wäre. Diese Situation nennt man ein „soziales
Dilemma“. Soziale Dilemmata sind Spielregeln, die die Kooperation unter
den Spielern verhindern.
Eben hatten wir einen Fall, in dem wir es
gesellschaftlich gut finden, dass Kooperation verhindert wird. Genau
deshalb wurde ein soziales Dilemma als Regel geschaffen. Natürlich gibt
es auch Fälle, in denen die Kooperation sehr wünschenswert ist; und es
ist offensichtlich, dass man in diesen Fällen Regeln schaffen muss, die
Kooperation fördern, nicht verhindern. Aber seltsamerweise geschieht sehr
oft das Gegenteil. Aus Versehen wird oft ein soziales Dilemma geschaffen,
und dann wundern sich alle, dass es keine Kooperation gibt. Das liegt auch
daran, dass man soziale Dilemmata oft nicht leicht als solche erkennt.
Soziales Dilemma – ein Beispiel
Dafür gibt es ein geradezu klassisches Beispiel, an
dem man das Prinzip sofort erkennt: Drei
alte Freunde fahren gemeinsam mit ihren Harleys durch die Berge und
kehren abends ein. Niemand will pingelig sein, und so einigt man sich
darauf, zum Schluss die Rechnung einfach durch drei zu teilen, anstatt
dass jeder einzeln bezahlt. Da die Unterschiede zwischen den einzlenen
Rechnungen nicht so riesig sind, wäre es schließlich kleinkariert, die
Centbeträge auseinanderzurechnen. Das klingt harmlos, nicht wahr? Ist es
aber nicht. Denn diese unschuldig scheindende Regel ist ein soziales
Dilemma.
Das erklärt sich so: Jeder der drei Harley-Fahrer
würde normalerweise eine Hauptspeise essen und dazu zwei (natürlich
alkoholfreie) Biere trinken. Fahrer 1 würde zwar eigentlich
gern einen Nachtisch essen, findet ihn aber zu teuer und würde ihn daher
normalerweise weglassen. Fahrer 2 geht es ebenso mit der Suppe und
Fahrer 3 mit einem Vorspeisenteller. Zahlt jeder einzeln, dann bleibt
es auch dabei. Wird die Rechnung aber geteilt, dann bezahlt jeder einzelne
auf einmal gar nicht mehr seine Zusatzspeise ganz, sondern nur noch ein
Drittel davon.
Nehmen wir einmal Fahrer 2 mit seiner Suppe. Sie
kostet 6 Euro (was übrigens fast 12 Mark sind, worauf wir später noch
zurückkommen werden). Diese 6 Euro findet er zu viel für eine Suppe, für
2 Euro hingegen würde er sie essen. Indem die Rechnung durch drei geteilt
wird, kostet sie ihn aber tatsächlich nur noch 2 Euro. Das kann er sich
leisten und bestellt sie. Fahrer 3 hört das und weiß nun, dass er
die Suppe des anderen subventioniert, wenn er seinen Vorspeisenteller
nicht bestellt, also bestellt er ihn, obwohl er ihn mit 12 Euro eigentlich
zu teuer findet. Das gleiche passiert danach mit Fahrer 1, der guten
Gewissens beim Nachtisch zuschlägt. Aus dem gleichen Grund trinken alle
zwei Bier mehr als sie sonst getrunken hätten und legen noch einen
Schnaps nach. Am Ende bezahlen alle das doppelte, weil sie über ihre Verhältnisse
gelebt haben.
Das gemeinsame Zahlen ist eben ein soziales Dilemma.
In dieser Situation ist es immer rational, mehr zu bestellen als man
bestellt hätte, wenn einem der Preis voll zugerechnet würde. Denn, wenn
die anderen beiden es nicht tun, zahlt man nur ein Drittel; tun die
anderen es auch, dann vermeidet man wenigstens, dem anderen die Suppe zu
bezahlen, von der man selbst nichts hat. Mehr zu bestellen als man will,
ist hier eine dominante Strategie. Auf diese Weise verzerrt die Art zu
bezahlen das Preissystem. Während die unverfälschten Preise den drei
Harley-Fahrern eigentlich sehr genau sagen, wieviel sie bestellen wollen,
setzt das Rechnung-Teilen die im Preis steckende Information außer Kraft
und führt zu einem Überkonsum, den am Ende alle bereuen.
Es ist also keineswegs so, dass das Aufteilen der
Restaurantrechnung nur einen kleinen Effekt im Bereich der Rundungsfehler
hat. Vielmehr ändert es komplett das Verhalten der Beteiligten. Und das
leider in einer Weise, die man in dieser Situation eigentlich nicht will:
Es führt zu unkooperativem Verhalten.
Dieser Effekt wirkt schon unter guten Bekannten, die
gemeinsam essen gehen. (Natürlich gibt das am Ende niemand zu und redet
sich stattdessen ein, man habe ja nur deshalb so viel konsumiert, weil es
gerade so gemütlich war. Komischerweise passiert das nicht, wenn man
einzeln bezahlt.) Immerhin es gibt bei engen Freunden noch soziale
Gepflogenheiten, die die Übertreibung noch ein wenig in Zaum halten.
Jetzt stellen Sie sich aber bitte einmal folgende kleine Variante vor: Auf
der Speisekarte Ihres Restaurants steht ein Hinweis, dass alles, was Sie
heute abend konsumieren, mit dem zusammengerechnet wird, was gerade eine
andere Gruppe in Amerika konsumiert; und erst am Ende wird die
Gesamtrechnung durch die Anzahl der Personen an beiden Tischen geteilt.
Können Sie sich vorstellen, wie das Ergebnis ausfällt?
Beide, Sie und die unbekannten Amerikaner, werden kurze Zeit schwelgen und
weit über Ihre Kosten leben. Dann sind beide pleite. Das einzig
sinnvolle, was Sie in einer solchen Situation tun könnten, wäre so
schnell wie möglich das Restaurant zu verlassen.
Soziale Dilemmata – gibt es die denn wirklich?
Wenn Sie jetzt denken, eine so unsinnige Regel könne
doch niemand anwenden, dann irren Sie sich. Die Welt ist voll solcher
Regelungen; mal sind sie sichtbar und mal sind sie versteckt, aber da sind
sie. Es ist sogar noch schlimmer: Oft werden diese Kooperationskiller so
getarnt, dass es aussieht, als sollten Sie die Kooperation fördern. Sie
erkennen das meist an dem wohlklingenden Wort „Solidarität“.
Nehmen Sie die Solidarität zwischen den Bundesländern,
den Länderfinanzausgleich. Das ist im wesentlichen eine Regelung, nach
der Bundesländer mit einem Einnahmenüberschuss Geld an die anderen
Bundesländer zahlen, die ein Defizit haben. Es handelt sich bei dieser
Regelung um den Einstieg in ein soziales Dilemma. Es ist kein „echtes“
Dilemma, weil die Ausgaben nicht einfach komplett auf alle Bundesländer
umgelegt werden, sondern die reicheren Bundesländer unterm Strich mehr
behalten können als die ärmeren. Aber die Richtung geht zum Dilemma:
Wenn man den Status „arm“ hat, dann hat man keinerlei Anreiz, zu
sparen. Warum sollte man? Der negative Anteil wird ja von den anderen übernommen.
Zu sparen hieße lediglich, den reicheren Bundesländern mehr Geld zu
lassen. Davon hat man nur Nachteile, keinen Vorteil. Für die armen Länder
gibt es damit immer einen Anreiz, über die Verhältnisse zu leben – und
genau das tun sie auch.
Wenn wir heutzutage die Wörter arm und reich hören,
dann halten wir es geradezu reflexartig für angebracht, dass die einen
den anderen etwas abgeben sollen und nennen das Solidarität. Was wir
nicht sehen ist, dass es auch zur Solidariät gehört, etwas gegen die
eigene Bedürftigkeit zu tun. Die reichen Ländern sind nicht einfach
deshalb reicher, weil sie mehr Würfelglück hatten. Sondern sie sind
reicher, weil die Menschen dort mehr arbeiten, weil sie ein besseres
Bildungssystem haben, weil die Politiker das vorhandene Geld für
Investitionen ausgeben statt für Konsum, weil das politische System gute
Mitwirkungsmöglichkeiten bietet. Und so weiter.
All das ist anstrengend. Es erfordert die Einsicht,
dass man später mehr haben wird, wenn man jetzt verzichtet. Die reichen Ländern
haben genau das getan, deshalb sind sie jetzt reich. Aber wir tun
heutzutage so, als gäbe es den Reichtum gratis und vergessen deshalb, das
Kooperation immer etwas Zweiseitiges ist und deshalb auch von den
„Armen“ zu erbringen ist. Das Schlimmste daran ist, dass wir auf diese
Weise eine Situation schaffen, in der die Armen zum Armsein verdammt sind.
Denn unser Ruf nach „Solidarität“ schafft ein soziales Dilemma.
Dieses Dilemma wirkt wie bei der gemeinsamen Rechnung
im Restaurant: Es erzeugt ein Verhalten, das schlecht für alle ist. Es
bewirkt, dass die armen Länder sich mehr darum kümmern, Finanzausgleich
zu erhalten, als reich zu werden. Es bewirkt auch, dass die reichen Länder
weniger für ihren Reichtum tun, weil sie ihn nur zu einem kleineren Teil
behalten können. Ein so konstruiertes Dilemma ist viel mehr als eine
„Umverteilung“, denn bei einer Umverteilung geht zunächst einmal
nichts des Reichtums verloren. Das ist beim Dilemma anders: Es sorgt dafür,
dass Wohlstand vernichtet wird, weil alle ihr Verhalten ändern und
dadurch ärmer werden, egal ob sie vorher als reich oder arm galten.
Leider sind die meisten Formen der Solidarität und
Umverteilung als soziales Dilemma konstruiert und damit als effektive
Methode, Menschen arm zu machen. Vergessen wir nicht: Ein Dilemma ist eine
Spezialkonstruktion zur Verhinderung von Kooperation. Das bleibt es auch
dann, wenn es getarnt daherkommt.
Und wieso ist der Euro ein soziales Dilemma?
Der Wert einer Währung entsteht im wesentlichen
durch Vertrauen. Um dieses Vertrauen aufrechtzuerhalten braucht man die
Mitwirkung aller Beteiligten: Den Willen, Schulden zu begleichen; die
Einsicht, wo Schuldengrenzen liegen, die nicht überschritten werden
sollten; den Willen, die eigene Leistungsfähigkeit zu erhalten. Das Geld
ist etwas, zu dessen Wert alle beitragen müssen. Das ist nichts, was eine
Zentralbank allein regeln könnte, selbst wenn sie wollte.
Stellen Sie sich nun drei Staaten vor, die ihre
individuellen Währungen aufgeben und eine gemeinsame Währung einführen.
Gleichzeitig entscheidet aber jeder einzelne Staat weiterhin über seine
Ausgaben und seine Verschuldung. Es ist jetzt die gleiche Situation wie
bei unseren drei Harley-Fahrern, die die Restaurantrechnung teilen: Die
Kosten, die der einzelne verursacht, werden auf alle drei aufgeteilt. Wenn
einer der drei Staaten seine Verschuldung steigen lässt, dann entfällt
der größere Teile der damit verbundenen Probleme nicht mehr auf ihn
selbst, sondern auf die Rest der Gemeinschaft. Damit wird die zu hohe
Verschuldung aus Sicht jedes einezlnen vernünftig, und folglich macht er
es. Leider gilt das für jeden der Teilnehmer.
Im Beispiel von eben waren es drei Beteiligte. Können
Sie sich vorstellen, was bei 23 Teilnehmern am gemeinsamen Essen passiert?
Und was passiert, wenn diese 23 Teilnehmer unterschiedliche Sprachen
sprechen, sich kaum kennen und mitunter tausende von Kilometern
auseinander wohnen? Wenn diese 23 Teilnehnmer unterschiedliche
Gewohnheiten und Erfahrungen haben? Wenn diese 23 Teilnehmer andere
Erwartungen darüber haben, was sozial richtig oder falsch ist? Wenn sie
dem Essen unterschiedliche Bedeutung beimessen und unterschiedliche
Speisen mögen? Wenn Sie sich all das vorstellen können, dann können Sie
sich auch vorstellen, was mit der geminsamen Währung Euro passiert, wenn
23 Mitgliedsstaaten unter exakt diesen Bedingungen daran teilnehmen.
Warum dieser einfache Sachverhalt so wenig erkannt
wurde, ist mir nicht klar. Aber immerhin haben schon die Väter des Euros
irgendein Bauchgefühl in diese Richtung gehabt und haben Maßnahmen gegen
dieses Dilemma ersonnen, das sie selbst erst geschaffen haben, ohne es zu
erkennen. Leider enthalten diese vermeintlich schlau ausgeklügelten
Schutzmaßnahmen ihrerseits Konstruktionsfehler, die sie wirkungslos
machen. Ich schreibe an anderer Stelle, woran das liegt, aber hier nur so
viel: Obwohl viele Länder, teils erheblich gegen die Vorschriften verstoßen
haben, gab es keine einzige Strafmaßnahme dagegen. Nicht eine. Jeder
durfte also in der Vergangeneheit ungeniert über seine Verhältnisse
leben – wie bei unseren Harley-Fahrern im Restaurant. Mit dabei im Club
der Sünder waren übrigens auch die Länder Deutschland und Frankreich.
Der Rettungsschirm als Super-Dilemma
Nun könnte man meinen, dass dieses Problem erkannt
ist und das im Euro angelegtge soziale Dilemma im Zuge von Verbesserungen
wieder beseitigt wird. Aber das Gegenteil ist der Fall. Die katastrophalen
Folgen, die der falsch konstruierte Euro schon hatte, sollen ausgerechnet
mit einer noch viel größeren Dilemma-Konstruktion beseitigt werden. Sie
nennt sich Euro-Rettungsschirm (oder vornehm: ESM, Europäischer
Stabilisierungsmechanismus). Es handelt sich dabei um eine weitere Abschwächung
der Maßnahmen, die ursprünglich einmal als Schutz gegen den
Kooperationskiller Euro gedacht waren (dass diese Aufweichung früher oder
später auftreten würde, war allerdings ebenfalls von Anfang an klar; den
Grund dafür erläutere ich wie gesagt noch einmal in einem separaten
Beitrag).
Kurz und knapp lässt sich der Rettungsschirm wie
folgt zusammenfassen: Wenn ein Staat seine Schulden nicht mehr bedienen
kann, dann springt die Gemeinschaft dafür ein. Ein effektiveres soziales
Dilemma könnte man kaum schaffen, selbst wenn man sich Mühe gäbe. Und
ein größeres auch nicht. Denn der Rettungsschirm hat (derzeit) ein
Volumen von insgesamt 750.000.000.000 Euro (also 750 Milliarden). Wieviel
davon auf Deutschland entfällt, lässt sich kaum noch richtig
nachvollziehen, aber nehmen wir einmal die Untergrennze von 120
Milliarden, die der deutsche Beitrag für die Europäische
Finanzstabilisierungsfazilität sind (von der ein Teil der Summe
aufgebracht wird). Der deutsche Etat für Forschung und Bildung
betrug im Jahr 2010 weniger als 12 Milliarden – das sind etwa 1,6% der
Rettungsschirm-Summe und 10% des deutschen Beitrags. (Was aufgrund der
EU-Beiträge und aufgrund der von der EZB aufgekauften Ramschanleihen noch
auf uns entfällt, ist hier nicht mit eingerechnet.)
Das Geld, mit dem hier europaweit gespielt wird, ist
so hoch wie unsere Bildungausgaben für über 60 Jahre. Mit dem deutschen
Beitrag daran könnten wir „nur“ für 10 Jahre unsere gesamten
Forschungs- und Bildungsaktivitäten bezahlen. Peanuts sind das also
nicht, die hier in das soziale Dilemma gepumpt werden. Und machen Sie sich
bitte klar: Diese Beträge werden nicht etwa für Zukunftsaufgaben
ausgegeben, wie neue Energietechnik oder Bildung; das Geld wird in
kurzfristigen Konsum gepumpt, den die Beteiligten als unsinnig einstufen würden,
wenn es das Dilemma namens Euro nicht gäbe. Diese Summe macht uns nicht
in Zukunft reicher, sondern sie zementiert falsche Verhaltensanreize, die
uns arm machen. Es geht hier nicht um einen Nachtisch, den wir zu viel
essen, sondern es geht um unsere Zukunft.
Denken Sie bitte auch nicht, die enormen
Milliarden-Zahlungen seien ein gerechter Ausgleich von den reicheren an
die ärmeren Mitgliedsstaaten. Ohne hier diskutieren zu wollen, ob solche
Umverteilung gerechtfertig wäre oder nicht: Der Euro bewirkt diese
Umverteilung gar nicht. Stattdessen macht er alle ärmer, die armen
genauso wie die reichen. Denn der Euro schafft den Anreiz, Dinge zu tun,
die es dem einzelnen eigentlich nicht wert sind, getan zu werden. Der Euro
schafft diesen Fehlanreiz aber so subtil, dass wir ihn nicht
erkennen, denn das Dilemma erzeugt einen kurzzeitigen Mehrkonsum, durch
den wir einige Jahre reicher zu sein glauben als wir sind. Es ist wie beim
gemeinsamen Essen: Wir schwelgen zusammen und fühlen uns gut – und sind
entsetzt, wenn die Rechnung kommt.
Wir alle, die reichen wie die armen, verschwenden
durch die Dilemma-Situation unser Geld für billigen Schund und werden das
später bitter bereuen. Statt für Bildung und für neue Energien geben
wir unser Vermögen für Großbildfernseher und Designeruhren aus, die in
wenigen Jahren veraltet sein werden. Das ist der Anreiz, der vom
Kooperationskiller Euro ausgeht.
Der Euro ist ein Konstruktionsfehler
Viele denken, die Euro-Krise sei vorübergehend. Das
ist sie nicht. Es mag sein, dass sie für ein paar Jahre wieder überdeckt
wird, weil die Milliarden des „Rettungsschirms“ erst einmal verbraucht
werden müssen.
Aber sie werden verbraucht, und dann wird die Krise
nur umso schlimmer kommen, weil wir noch länger nichts gegen ihre
Ursachen getan haben. Denn der Konstruktionsfehler des sozialen Dilemmas
ist ganz zentral im Euro angelegt; das Dilemma ist gewissermaßen das Herz
des Euros. Solange die Mitgliedstaaten weitgehend unabhängig über ihre
Haushalte entscheiden können und gleichzeitig der Euro die Kosten des
Konsums auf alle verteilt, solange bleibt das Dilemma bestehen.
Und solange es besteht, ist der Euro eine spezielle
Konstruktion dafür, die Kooperation unter den europäischen Ländern zu
verhindern. Wollten wir das wirklich?
Dieser Text ist das erste Kapitel meines neuen Buches
Rettung
vor dem Euro, das Sie sich am besten gleich bestellen sollten.
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