Dominante Strategie in Kürze
Wozu die dominante Strategie?
Die dominante Strategie (eigentlich die
dominierende
Strategie, s.u.) ist ein einfaches Konzept, mit dem man Verhaltensweisen
erkennt, die offensichtlich unvernünftig ("nichtrational")
sind.
Das Konzept der dominanten Strategie gibt es sowohl
in der klassischen Entscheidungstheorie als auch in der
Spieltheorie. Die
dominante Strategie oft als ein Filter eingesetzt, der schon einmal die
groben Dummheiten herausfiltert, bevor anschließend feinere Verfahren
(wie das Nash-Gleichgewicht) zur Anwendung kommen.
Definition der dominanten Strategie
Eine Strategie dominiert eine andere Strategie, wenn
die dominierende nie schlechter, aber manchmal besser als die dominierte
Strategie ist.
Diese sprachliche Definition ist mit Vorsicht zu
genießen, weil sie der Versuch ist, eine mathematische Definition
alltagssprachlich auszudrücken. Das ist nicht ganz einfach, weil die
Mathematik sehr viel genauer ist.
Daher diese Erläuterung: "Nie" und
"manchmal" beziehen sich hier auf die Umweltzustände (in der
klassischen Entscheidungstheorie) beziehungsweise auf die Handlungsmöglichkeiten
der Gegenspieler (= alle Strategienkombinationen, die durch deren
Strategien möglich sind). Merken Sie das Problem der sprachlichen
Definition?
Es ist zu beachten, dass die Definition der
dominierten Strategie nur für Paare von Strategien gilt. Man kann also
immer nur für zwei Strategien fragen, ob eine die andere dominiert oder
nicht. Es gibt auch nichts dazwischen, also "ein bisschen
dominieren". Entweder eine Strategie dominiert die andere oder nicht.
Das Dominanzkriterium ist methodisch gleich wie das
Konzept der Effizienz in den Wirtschaftswissenschaften.
Was heißt dominante Strategie, dominierende Strategie und dominierte
Strategie?`
Eine dominierte Strategie ist eine, die von einer
andere dominiert wird (passiv). Eine dominierende Strategie ist eine, die
eine andere dominiert (aktiv). Eine dominante Strategie ist strenggenommen
eine, die alle anderen Strategien desselben Spiels dominiert. Wenn eine
Strategie eine andere dominiert, dann nennt man aber oft die dominierende
Strategie auch "die dominante Strategie". Weil
"dominierende Strategie" so hässlich klingt, spricht man auch
vom "Konzept der dominanten Strategie", obwohl man eigentlich
"der dominierenden Strategie" oder "der dominierten
Strategie" sagen sollte. Oft sagt man daher auch
"Dominanzkriterium" oder "Konzept der Dominanz" oder
eben einfach Dominanz.
Was macht man mit dominierten Strategien?
Man streicht sie einfach weg ("Elimination
dominierter Strategien"). Das war's schon. Dominierte Strategien zu wählen
ist nämlich nie vernünftig (nie "rational").
|
Lieber reich und gesund
als arm und krank. Wenn Sie die Logik hinter diesem Satz verstehen, dann
wissen Sie auch schon, was eine dominierte Strategie ist. Und Sie wissen
dann auch, dass hinter dem ökonomischen Begriff der Effizienz etwas sehr
Natürliches steckt.
Sie sitzen
durch einen Verfahrensfehler fälschlicherweise im Himmel auf einer
Wolke – versehentlich wurden Sie an Stelle eines anderen geholt. Zur
Entschädigung dürfen sich jetzt aussuchen, als welche Person Sie
weiterleben möchten:
|
Name
|
Gesundheit
|
Reichtum
|
|
|
1 (= gesund)
|
1 (= reich)
|
|
Berta
|
1 (= gesund)
|
0 (= arm)
|
|
Cäsar
|
0 (= krank)
|
1 (= reich)
|
|
Doris
|
0 (= krank)
|
0 (= arm)
|
Damit es nur auf die Gesundheit und den Reichtum ankommt, dürfen Sie
anschließend auch noch den Namen und das Geschlecht der Person ändern,
als die Sie weiterleben. Wen nehmen Sie?
Einfach: Anton natürlich. Denn egal, worum es geht,
er steht am besten da. Leider ist Anton schon weg – Ihr Fall war nicht
der einziger Fehler heute und die Anzahl der Entschädigungspersonen ist
klein. Jetzt wird es schwieriger, aber Sie wissen auf jeden Fall schon
einmal, wer Sie nicht sein wollen: nämlich Doris. Sie steht ganz klar
"am schlechtesten" da.
Hinter dieser Überlegung steht das Konzept der
dominanten und der dominierten Strategie, das Sie hier intuitiv anwenden,
auch ohne es (bis jetzt) genau beschreiben zu können. Lassen wir das
Konzept noch einen Moment lang unscharf und werfen einen Blick auf die
Wahl zwischen Berta und Cäsar. Hier ist die Entscheidung viel
schwieriger, weil die eine in der einen Dimension (Gesundheit) besser
dasteht, wogegen der andere in der anderen Dimension (dem Reichtum) besser
ist. War die Wahl zwischen Berta und Doris noch ein Kinderspiel, so müssen
Sie sich hier fragen, ob Ihnen Reichtum oder Gesundheit lieber ist. Und
wieviel Reichtum ist Ihnen wieviel Gesundheit wert?
Machen Sie hier keinen Fehler, weil es ein
teilweise emotionales Beispiel ist: Man kann Gesundheit kaufen, zumindest
etwas (würden Sie eine Kur selbst bezahlen? wo ist Ihre Preisgrenze?
Wieviel Zuzahlung akzeptieren Sie für ein Medikament, das besser wirkt?).
Viele sind auch bereit, für ihren Reichtum auf etwas Gesundheit zu
verzichten (McKinsey-Berater gehen auch dann zur Arbeit, wenn sie besser
zu Hause blieben; eine Beraterin hat ihre Stimmbänder teilweise verloren,
weil sie mit heiserer Stimme noch eine Präsentation gab. Hätte sie es
nicht getan, hätte sie weniger verdient).
Das Problem besteht darin, dass es bei der Auswahl
zwischen Berta und Cäsar einen Zielkonflikt (Tradeoff) zwischen den
beiden Dimensionen Gesundheit und Reichtum gibt. Immer, wenn ein
Zielkonflikt besteht, müssen wir abwägen: Auf wieviel des einen sind
bereit zu verzichten, um etwas von dem anderen zu bekommen. Nur dann, wenn
wir beides auf einmal bekommen können, finden wir das uneingeschränkt
gut, wenn wir beides auf einmal nicht bekommen, finden wir das uneingeschränkt
schlecht. Ganz ohne weiter nachdenken zu müssen. Damit sind wir bei der
Dominanz:
Eine
Alternative dominiert eine andere, wenn sie nie schlechter ist, aber
manchmal besser.
Vergleichen Sie Alternative Anton mit Alternative
Berta: Anton ist nie schlechter (nämlich genauso gesund wie Berta), aber
in punkto Reichtum besser. Also wählen wir die Alternative Anton.
Vergleichen Sie Berta und Doris: Beide sind arm, aber Doris ist auch noch
krank. Daher ist Berta nie schlechter, aber einmal besser. (Ach ja, nur
falls sie jetzt verwirrt sind: Ich habe das Beispiel so gebastelt, dass
hier die Strategien Anton, Berta
usw. heißen. Sie dürfen ja wählen, wer Sie sein wollen. Also bitte
nicht denken, das seien alles eigene Spieler. Die vier Personen dürfen
nur dasitzen und warten, ob Sie in ihrer Haut weiterleben wollen, sie sind
also keine Spieler im spieltheoretischen Sinn, die mit entscheiden dürften.)
Zurück zur Dominanz. Das Schöne an diesem Kriterium
ist, dass es einen nicht in die Irre leiten kann. Wenn man eine dominierte
Strategie findet, dann ist es nie vernünftig, sie zu wählen. Also
streicht man sie einfach und tut von da ab so, als gäbe es sie gar nicht.
Fertig. Einen kleinen Haken gibt es leider: In vielen Situationen gibt es
nichts, was offensichtlich unvernünftig wäre. Und daher gibt es dann
eben auch keine dominierte Strategie. In solchen Fällen hilft einem das
Konzept leider nichts – allerdings schadet es auch nichts. Das ist doch
schon einmal was.
Ich habe sogar etwas gemogelt: Im Eingangsbeispiel
handelt es sich eigentlich um gar kein Spiel, weil die Spalten weder
Spieler noch Umweltzustände sind. Daher ist es strenggenommen noch nicht
einmal ein Einpersonenspiel. Allerdings brauchen Sie sich darüber keine
grauen Haare wachsen zu lassen, weil es formal exakt dieselbe Struktur
hat. Ich habe das gemacht, um Ihnen gleich noch heimlich eine kleine
Verbindung zu zeigen: Die Dominanz ist nämlich formal genau das gleiche
wie die Effizienz in den Wirtschaftswissenschaften. Um Sie aber nicht
schon hier völlig zu verwirren, stelle ich das einmal zurück, bis ich an
anderer Stelle noch etwas über Effizienz schreibe. Die taucht nämlich
auch in der Spieltheorie wieder auf, oft in Form der Pareto-Effizienz.
Aber wie gesagt: Stellen wir es hier ein wenig zurück.
Ein Wort der Warnung. Das Konzept der dominanten
Strategie ist sehr einfach, aber es beruht auf einer mathematischen
Definition. Wir sind leider nicht sehr gut darin, exakte Definitionen
intuitiv richtig wiederzugeben. Wenn Sie jetzt ein wenig flusig sind, dann
werden Sie nur noch in Erinnerung behalten, dass eine dominierende
Strategie irgendwie "besser" ist als eine von ihr dominierten
Strategie. Das stimmt auch. Aber erinnern Sie sich auch noch an die
Details! (Studenten, die bei mir in einer mündlichen Prüfung waren,
wissen, wovon ich spreche.) Es ist zum Beispiel nicht richtig, vom
"Durchschnitt" der Auszahlungen auszugehen. Also von der Art:
Anton bekommt 2, Berta und Cäsar bekommen 1, Doris bekommt 0, also ist
die erste Strategie dominant. Das ist zwar hier richtig (weil es ein
einfach konstruiertes Beispiel ist), aber in der echten Welt wird Ihnen so
eine Rechnung schnell zum Verhängnis. Denn Sie gewichten hier bereits die
einzelnen Faktoren – und das auch noch willkürlich, weil sie einfach
alles gleich gewichten. Der Charme der dominierten Stratagie besteht aber
gerade darin, dass Sie eben nichts gewichten müssen, sondern es immer
rational ist, die dominierte Strategie zu streichen, völlig egal, wie Sie
gewichten würden. Seien Sie deshalb vorsichtig und erinnern Sie sich an
die halbmathematische Definition: eine Strategie dominiert eine andere
Strategie, wenn die dominante Strategie nie schlechter, aber manchmal
besser ist.
Komplizierteres
Beispiel gefällig?
Und damit Sie es auch ganz genau wissen, kaufen Sie
sich am besten jetzt gleich mein Spieltheorie-Buch.
Da gibt es das Ganze dann auch noch schön zitierfähig wahlweise mit und
ohne Formeln.
|
|