Dominierte Strategie in Kürze
Lesen zuerst, was die dominierte
bzw. dominante Strategie genau ist; in diesem Beitrag wenden wir die
dominierte Strategie auf eine komplizierte Version von Papier, Stein,
Schere an.
Dominierte Strategie - Kurzdefinition
Eine Strategie dominiert eine andere, wenn die dominierte Strategie nie
besser ist, aber mindestens einmal schlechter. Zu abstrakt? Lesen Sie
zuerst die ausführlichere Darstellung zur dominierten
Strategie.
Kurzer Hintergrund zur Dominanz
Dominanz ist ein einfacher Filter, mit dem man nichtrationales
Verhalten erkennen kann.
Dominierte Strategien nicht zu wählen, ist auch gleichzeitig einer der
überzeugendsten Ratschläge für rationales Verhalten.
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Dominierte Strategie in Papier, Stein, Schere, Schwamm und mehr
Um die dominante Strategie
in einem echten Spiel (in dem es auch Gegenspieler gibt) zu zeigen, nehme
ich einmal ein etwas aufgepepptes Knobel-Spiel Papier, Stein,
Schere.
In meinen Schnick-Schnack-Schnuck-Beitrag
zeige ich, wie das Symbol Stein
zu einer dominierten
Strategie wird, wenn man den Brunnen einführt. Basteln wir uns hier
eine noch kompliziertere Variante von Papier, Stein, Schere, und zwar
eine, bei der es nicht nur vier, sondern gleich acht Symbole gibt. Ich bin
hier ein bisschen einfallslos und nehme einfach die Buchstaben von A bis H
als Symbole und überlasse es Ihnen, wie Sie sie mit der Hand zeigen (mit
zwei Händen geht es, ich habe es probiert). Weiter unten finden Sie aber
eine schönere Version mit Luft, Feuer, Wasser und allem, was man sonst
noch braucht.
Nun ist acht eine gerade Zahl. Deshalb können nicht
alle Symbole gleich gut sein, sondern es muss vier Symbole geben, die
viermal gewinnen, und vier Symbole, die dreimal gewinnen. (Zumindest, wenn
man verhindern will, dass es zwischen unterschiedlichen Zeichen ein
Unentschieden geben kann. Ohne diese Einschränkung ginge auch eine gerade
Zahl an Symbolen, wie Sie im Beitrag über Schnick-Schnack-Schnuck
sehen können.) Der spieltheoretisch oberflächliche Betrachter könnte
geneigt sein zu denken, dass in diesem Knobelspiel alle
Drei-Gewinn-Srategien gleich schlecht seien und man sie daher einfach
weglassen könne. Das ist aber nicht so.
Um das Spiel zu analysieren, schreiben wir es zunächst
einmal in der Tabellenform auf (der "Normalform"):
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Berta
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A
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B
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C
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D
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E
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F
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G
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H
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A
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0
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+1
|
+1
|
+1
|
+1
|
-1
|
-1
|
-1
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|
|
B
|
-1
|
0
|
+1
|
+1
|
+1
|
+1
|
-1
|
-1
|
|
|
C
|
-1
|
-1
|
0
|
+1
|
+1
|
+1
|
+1
|
-1
|
|
Anton
|
D
|
-1
|
-1
|
-1
|
0
|
+1
|
+1
|
+1
|
+1
|
|
|
E
|
-1
|
-1
|
-1
|
-1
|
0
|
+1
|
+1
|
+1
|
|
|
F
|
+1
|
-1
|
-1
|
-1
|
-1
|
0
|
+1
|
+1
|
|
|
G
|
+1
|
+1
|
-1
|
-1
|
-1
|
-1
|
0
|
+1
|
|
|
H
|
+1
|
+1
|
+1
|
-1
|
-1
|
-1
|
-1
|
0
|
Das sieht zwar nicht sehr übersichtlich aus, ist
aber recht einfach: Die Zahlenwerte sind die Auszahlungen
an Spieler Anton, wenn er eine Zeile gewählt hat und Berta eine Spalte.
+1 heißt: Anton hat gewonnen, -1 heißt: Anton hat verloren; 0 heißt
unentschieden.
Suchen Sie jetzt einmal nach einer dominierten
Strategie. Finden Sie sie? Es ist Strategie E. Denn sie gewinnt nur
dann, wenn D auch gewinnt, aber D gewinnt noch in einem anderen Fall (nämlich
gegen E). Daher ist E nie besser als D, aber einmal schlechter - also
dominiert. Vergewissern Sie sich bitte in der Tabelle, dass das auch
wirklich so ist, dann sehen Sie gleich, wie man dominierte Strategien
findet.
Nun wissen wir bereits, dass dominierte Strategie nie
rational sein können und können daher E streichen
("eliminieren"). Was jetzt? Zunächst machen wir dieselbe
Analyse aus Sicht der Gegenspielerin. Die kommt aber natürlich zum selben
Ergebnis und eliminiert daher ebenfalls ihre Strategie E. Machen Sie das
bitte einmal in der Tabelle, damit Sie sich an die dominierte Strategie
gewöhnen.
(Hat es auch für Berta funktioniert? Ja? Dann haben
Sie geschummelt. Es klappt nämlich nur dann, wenn Sie die Auszahlungen im
Vorzeichen umdrehen, denn die Gewinne für Anton sind ja Bertas Verluste,
weil es sich um ein Nullsummenspiel
handelt. Und das haben Sie bestimmt vergessen. Sehen Sie, so schnell sind
Sie erwischt.)
Jedenfalls sieht das Spiel nach der Elimination der
Strategie E genauso aus wie das schöne RPS-7
von David Lovelace:

Gibt es noch weitere dominierte Strategien? Gibt es
vielleicht Strategien, die nach der Elimination von E dominiert geworden
sind, es vorher aber nicht waren?
Gibt es nicht. Indem wir E gestrichen haben, haben
wir alles Unvernünftige ausgesondert (also alles Nichtrationale). Denn
weil jetzt niemand mehr E wählt, ist der Vorteil der
Viergewinn-Strategien A, B, C verschwunden: Allen war gemeinsam, dass sie
unter anderem bei E gewonnen haben. Da das jetzt kein Vorteil mehr ist, sind sie eben
genauso gut wie die Dreigewinn-Strategien F, G, H. Und schon haben wir
ein Papier, Stein, Schere mit sieben Symbolen, von denen jedes dreimal
gewinnt und dreimal verliert.
Was sehen wir? Unsere Intuition ist in Spielen oft
nicht viel wert. Es kann durchaus rational sein, eine der
Dreigewinn-Strategien zu spielen, auch wenn es auf den ersten Blick anders
scheint. Gar nicht so schlecht, die Spieltheorie, nicht wahr?
Aber Moment mal. Was passiert eigentlich, wenn die
Gegenspielerin das alles nicht weiß und einfach doch so tut, als seien
die Dreigewinn-Strategien nicht wert gespielt zu werden? Schließlich sind
ja die meisten echten Spieler nicht "rational" (und machen sie
noch nicht einmal die Mühe, solche interessanten Texte zu lesen, die ihnen die
Rationallösung erklären würden).
Dieses Argument ist in der Spieltheorie manchmal ein
gemeines Gegenargument. Aber hier nicht. Denn das Konzept der Dominanz
setzt überhaupt nichts über die Gegenspielerin voraus. Es kann uns völlig
egal sein, ob sie das Konzept auch kennt oder nicht. Es kann uns sogar
egal sein, was sie im Spiel eigentlich erreichen will. Es kann uns sogar
egal sein, ob es sie überhaupt gibt (oder ob wir in Wahrheit gegen die Natur
spielen.) Die Dominanz gilt aus unserer Sicht allein und ist immer
rational. Deshalb können wir die dominierte Strategie E ganz unbesorgt
streichen. Wenn Berta sie nicht streicht – Pech gehabt, dann haben wir
eben einen Vorteil.Bleibt natürlich noch eine andere Frage:
Müssen wir eigentlich alle anderen Strategien verwenden oder könnten wir
einige auch einfach weglassen? Denken Sie schon einmal darüber nach, bald
schreibe ich hier etwas über die gemischte
Strategie in Aktion, dann lüfte ich das Geheimnis.
Und bis dahin lesen Sie am besten schon einmal mein Lehrbuch
zur Spieltheorie.
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