Was ist Coopetition?
Coopetition ist eine Wortschöpfung aus co-operation und competition
(also Kooperation und Konkurrenz). Coopetition beschreibt die
Gleichzeitigkeit beider Prinzipien, die im Geschäftsleben untrennbar
verbunden sind.
Die beiden Spieltheoretiker Adam Brandenburger und Barry Nalebuff haben
in ihrem Buch Coopetition das Prinzip systematisiert und zu einem
praktischen Leitfaden für Geschäftsstrategien aufbereitet. Sie
beschreiben, wie man die Spiele des Geschäftslebens gestalten
sollte. Es ist damit eine praktische Anwendung des Mechanismusdesigns,
für das der Wirtschaftsnobelpreis des Jahres 2007 verliehen wurde.
Das Prinzip der Coopetition erweitert die klassischen
Wirtschaftswissenschaften um Erkenntnisse, die besonders für moderne
Branchen wichtig sind.
Mehr dazu im Buch Coopetition
für 25 Euro).
Amerikanische Website zum Buch Coopetition
Die beiden Autoren, Adam Brandenburger und Barry Nalebuff, haben eine
eigene Website
zum Thema Coopetiton hier.
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Mechansimus-Design-Theorie und Coopetition
Der Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften 2007 wurde an drei
"Spieltheoretiker" (sie werden sich nicht von Anfang an als
solche empfunden haben) verliehen: Leonid Hurwicz, Eric
Maskin und Roger Myerson. Coopetition ist eine praktische
Anwendung dieser Theorie auf das Geschäftsleben. Denn in der Coopetition
geht es darum, das Geschäftsspiel so zu gestalten, dass man zu mehr
Kooperation kommt, obwohl man konkurriert. Mehr dazu im unteren Teil
dieses Beitrags, aber zunächst zur Idee und Herkunft der
Coopetition.
Nullsummenspiele und Coopetition
Wir neigen dazu, in
Gewinnern und Verlierern zu denken und damit Verlierer auf breiter Front
zu schaffen. Ich kann das immer wieder aufs neue sehen, wenn ich meine
Studenten Planspiele spielen lasse:
Gruppen von Studenten bekommen die Aufgabe,
konkurrierende Unternehmen zu führen und mit ihrem Unternehmen möglichst
viel Gewinn zu machen. Was dann passiert, ist fast immer das gleiche: Die
Gruppen metzeln sich gegenseitig nieder und vernichten einen Großteil
aller möglichen Gewinne. Wenn ich die Rahmenbedingungen an moderne
Branchen anlehne, dann gibt es oft sogar noch gigantischere Verluste bei
allen. Dennoch fühlt sich am Ende eines der Unternehmen als Gewinner,
weil es die anderen "besiegt" hat. Den Preis dieses Pyrrhussiegs
sehen die Studenten meistens nicht. Ohne mit der Wimper zu zucken
vernichten sie ihre eigenen Gewinne, um die anderen zu schlagen.
Dieses Besser-sein-wollen-als-die-anderen scheint
tief in unserer Kultur verankert zu sein. Wir kennen es vom Sport, von den
Gesellschaftsspielen von Gerichtsverhandlungen: Einer gewinnt, der andere
verliert. In der Spieltheorie heißt diese Situation Nullsummenspiel.
Nullsummenspiele sind Krieg; sie lassen keinen Platz für Zusammenarbeit.
Das Schlimme ist: Unser Bildungssystem scheint uns gedanklich zu der
Ansicht zu verleiten, dass die echte Welt nur aus Nullsummenspielen
besteht. Dadurch übersehen wir, dass es in den meisten Fällen durchaus
andere Möglichkeiten gibt als Gewinner/Verlierer. Vorausgesetzt, die
Beteiligten verstehen die zugrundeliegenden Zusammenhänge.
In der Spieltheorie jedenfalls versteht man diese
Zusammenhänge seit einigen Jahrzehnten. Während sich die
Spieltheoretiker in der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts auch noch
hauptsächlich um Nullsummenspiele gekümmert haben, hat sich das
Interesse seit John
Nashs Gleichgewichtskonzept
bis heute fast ausschließlich auf die
"Nicht-Nullsummensituationen" verlagert. Das ist kein Wunder,
denn sie beschreiben viel eher, was wir im realen (Geschäfts-) Leben
vorfinden: Die Möglichkeit zu kooperieren, selbst wenn wir konkurrieren.
Trotz der ausgiebigen spieltheoretischen Forschung
dazu gab es seltsamerweise lange Jahre keinen eingängigen Begriff für
diese allgegenwärtige Situation des Geschäftslebens. Zwar waren die
Professoren glücklich mit der technischen Bezeichnung
Nicht-Nullsummenspiel, aber leider verhinderte dieses Wort geradezu, dass
Außenstehende die unglaubliche Bedeutung dieser Spiele erkannten. Das
beginnt sich erst langsam zu ändern, seit ein Praktiker das Wort prägte,
das sich wohl bisher am weitesten durchgesetzt hat: Coopetition. Es
ist eine Wortschöpfung aus cooperation (Kooperation) und competition
(Konkurrenz), die Ray Noorda zugeschrieben wird, dem Gründer des
Netzwerksoftwareherstellers Novell. Er verwendete den Begriff in einem
Interview mit der Zeitschrift Electronic
Business Buyer.
Seitdem ist Coopetition ein Oberbegriff geworden,
unter dem die vielen Erkenntnisse der Spieltheorie zusammengefasst werden,
die zeigen, wie man kooperativ konkurriert.
Zwei Professoren von amerikanischen Business-Schools
haben eine Fülle von Fallstudien zusammengetragen und daraus ein System
entwickelt, mit dem man Möglichkeiten findet, um auf eine bessere Weise
zu konkurrieren. Sie organisieren ihre gesamte Theorie der Coopetition
anhand von fünf Hebeln, an denen man ansetzen kann, um eine bessere
Geschäftsstrategie zu finden. Auf diese Weise hat man eine systematische
Methode, um die eigene Situation zu verstehen und anschließend zu
verbessern.
Vieles davon behandele ich mit meinen Studenten bei
den Planspielen - mit teilweise wirklich verblüffenden Erfolgen. Auf
einmal finden die Gruppen Verhaltensweisen, mit denen sie Gewinne
schaffen, aber ohne sich die Butter vom Brot nehmen zu lassen. Wenn sie
Abmachungen treffen, dann solche, die sie auch wirklich einhalten werden.
Es ist nicht der unrealistische Schmusekurs der Teambildungsseminare, aber
auch nicht mehr der reine Krieg um des Sieges willen, koste er, was er
wolle. Auf einmal finden die Studenten die Balance zwischen Kooperation
und Konkurrenz.
Wenn Sie wissen wollen, wie Sie die Spieltheorie im Geschäftsleben
anwenden können, dann sollten Sie das Buch Coopetition lesen.
Das geht, ganz ohne sich mit irgendwelcher Mathematik herumschlagen
zu müssen. Es ist in fünfzehn Sprachen übersetzt worden und damit
eines der weltweit meistgelesenen Spieltheoriebücher. Und da ich
derjenige war, der die deutsche Fassung bearbeitet hat, haben wir im
Deutschen ein ganz besonderes Lesevergnügen:-)
Das Buch gibt es hier: Coopetition.
Coopetition und Mechanismus-Design
Hinter dem klobigen Wort Mechanismus-Design
verbirgt sich eine höchst praktische Fragestellung: Wie ändert man
ein Spiel, damit es zu einem wünschenswerten Ergebnis führt?
Die beiden Autoren von Coopetition
machen aus dieser Frage einen Denkrahmen,
innerhalb dessen man das Spiel des Geschäftslebens beeinflussen kann:
Welche Spieler sollte man in ein Spiel einbeziehen? Woran erkennt man den
Mehrwert des einzelnen Spielers? Welche Regeln haben welche Auswirkungen?
Mit welchen Taktiken sollte man die Regeln ergänzen? Wie sollte man das
Spiel erweitern oder von anderen Spielen abgrenzen?
Wenn man diesen Denkrahmen kennt, bekommt die Gestaltung des
Geschäftslebens auf einmal eine neue Bedeutung. Man merkt, dass man
manchmal ein wenig um die Ecke denken muss, um naive Fehler zu vermeiden
und sich nicht versehentlich zu zerfleischen. Und da sage noch einer,
Spieltheorie sei nicht praktisch anwendbar.
Das Buch gibt es hier: Coopetition
für 25 Euro.
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