Steuerfahndung
ist eine klassische spieltheoretische Situation: Es ist ein Diskoordinationsspiel.
Bei diesen Spielen versucht ein Spieler immer, den anderen zu erwischen,
der andere versucht zu entwischen - eben das Gegenteil von
Koordination.
Lesen Sie in der rechten Spalte, wie sich die Spieler in dieser
Situation verhalten sollten und wieso es für den Staat optimal ist, nicht
zu viel zu prüfen.
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Jeder Steuerfahnder bringt dem Staat eine
Million jährlich - daher brauchen wir mehr davon. Sagt die Deutsche Steuergewerkschaft.
Aber sie irrt sich.
Das Fahnder-Spiel
ist eines der klassischen Spiele in der Spieltheorie: Es lässt sich in
der einfachsten Form als ein Spiel mit zwei Spielern modellieren:
einen Spieler, der etwas Verbotenes tun kann, und einen, der
stichprobenartig nachprüfen soll.
Diese Situation kann man in der Normalform
folgendermaßen darstellen (die erste Zahl in Klammern ist die Auszahlung
an den Steuerzahler, die zweite Zahl die Auszahlung für die
Steuerfahnderin):
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Steuerfahnderin:
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nicht
prüfen |
prüfen
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ehrlich
versteuern
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(0,0)
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(0,-1)
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Steuerzahler:
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hinterziehen
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(1,0)
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(-S, B-1)
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Wir setzen hier den ehrlichen Steuerzahler als den Referenzpunkt: Er
erhält eine Auszahlung von null, egal, was die Fahnderin macht (wie
gesagt, in der Grundform; in der Realität würde ich mich hier nicht für
alle Fahnderinnen verbürgen, denn "irgendetwas finden sie
immer", wie man in einschlägigen
Steuerbüchern nachlesen kann; aber lassen wir das hier der
Einfachheit halber beiseite). Und nur zur Sicherheit: Eine Auszahlung von
null heißt hier nur, dass wir diesen Punkt als Referenzpunkt für die
anderen Auszahlungen definieren.
Das gleiche machen wir bei der Fahnderin: Bei ihr ist der Referenzpunkt
das Nicht-Prüfen, für den wir uns vorstellen, dass es ihr egal ist, ob
sie einen Steuerhinterzieher durch Untätigkeit nicht erwischt
(schließlich ist sie - wie ich - Beamtin). Prüft sie hingegen, dann
kostet sie das eine Auszahlung von -1; das ist der Preis für ihren
Prüfaufwand. Er ist verloren, wenn sie nichts findet, aber wenn sie den
Hinterzieher erwischt, dann bringt ihr das einen Bonus in Höhe von B,
allerdings abzüglich der Prüfkosten in Höhe von -1 [3]. Der Bonus muss
kein Geld sein, sondern kann auch Ansehen bei ihrem Chef oder Freund sein.
Des weiteren gehen wir hier davon aus, dass sie einen echten Hinterzieher im
Fall einer Prüfung immer erwischt und einen ehrlichen Steuerzahler
ebenfalls immer (an-) erkennt.
Für den Steuerzahler wird es erst
spannend, wenn er hinterzieht. Statt
der langweiligen 0 erhält er hier entweder die Auszahlungen von 1
(wieder eine Normierung, aber sagen wir aus gegebenem Anlass ruhig einmal,
das sei eine Million) oder die Strafe S, die natürlich negativ ist.
Bitte beachten Sie, die Auszahlungen nicht über die Spieler hinweg
vergleichbar sind, sondern nur innerhalb eines Spielers. Auch falls der
Bonus B der Fahnderin nur Kleinkram gegenüber den Beträgen des
potenziellen Steuerhinterziehers sein sollte, ist er für sie
wichtig. Insbesondere ist das Verhältnis zu den Prüfkosten
wichtig.
So prüft die optimale Steuerfahnderin
Wo liegt nun die Lösung dieses Spiels? Die einfache Antwort: Es gibt
keine eindeutige Lösung in "reinen Strategien", sondern nur in gemischten
Strategien. Anschaulich heißt das: Beide müssen zufällig mal das
eine, mal das andere tun. Würde der Steuerzahler immer hinterziehen,
wäre es nicht optimal für ihn, weil dann die Fahnderin immer prüfen könnte und
jedes Mal ihren Bonus bekommen würde. Daher würde sich der Steuerzahler
nicht so verhalten, denn er bekäme dann jedesmal die Strafe. Ein Gleichgewicht entsteht hier
erst, wenn beide
Spieler maximal unberechenbar sind, und das ist nur dann gegeben, wenn sie
ihre Strategien zufällig wählen. Vermutlich ist es übrigens auch genau
das, was die echten Fahnderinnen bzw. Außenprüferinnen auch tun: Sie
haben zwar Kriterien, nach denen sie die Wahrscheinlichkeiten festlegen,
aber innerhalb der verschiedenen Gruppen wählen sie vermutlich weitgehend zufällig aus.
Bleibt nur noch die Frage, mit welcher Wahrscheinlichkeit sie zwischen
den beiden Strategien zufällig auswählen sollten. Um das auszurechnen, geben wir
den Wahrscheinlichkeiten erst einmal Namen, mit der die beiden Spieler
Ihre reinen Strategien auswählen: q ist die Wahrscheinlichkeit, mit der
der Steuerzahler hinterzieht, p ist die Wahrscheinlichkeit, mit der die
Fahnderin prüft. In die Matrix eingetragen sieht das so aus:
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Steuerfahnderin:
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1-p
nicht
prüfen |
p
prüfen |
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1-q:
ehrlich
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(0,0)
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(0,-1)
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Steuerzahler:
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q:
hinterziehen
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(1,0)
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(-S, B-1)
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Dann kaufen Sie sich mein Spieltheorie-Buch
und lesen dort genau nach, wie man das Gleichgewicht
in gemischten Strategien im Detail berechnet. Es läuft
aber darauf hinaus, dass wir nun die Wahrscheinlichkeit für alle vier
Spielausgänge abhängig von den beiden Einzelwahrscheinlichkeiten p und q
schreiben und
dann in der so entstandenen Funktion das Auszahlungsmaximum des jeweiligen
Spielers in Abhängigkeit von seiner eigenen Wahrscheinlichkeit suchen. Mit anderen Worten, wir fragen uns: Mit welcher
Wahrscheinlichkeit muss die Fahnderin prüfen, damit sie (im
Erwartungswert) die maximale Auszahlung bekommt? Gleichzeitig fragen wir
uns auch: Mit welcher Wahrscheinlichkeit sollte der Steuerzahler
hinterziehen, damit er den maximalen Gewinn hat?
Zwei Ableitungen später kommt als Ergebnis heraus: q = 1/B und p = 1/(1+S). Wer es
nachvollziehen will: Wie gesagt, sehen Sie in einem guten Spieltheorie-Buch
nach und schreiben mir, falls ich mich verrechnet habe. Alle anderen
glauben mir das Ergebnis einfach und interpretieren es mit
mir:
q = 1/B heißt: Je
höher der Erfolgsbonus für die Fahnderin, desto seltener sollte der
Steuerzahler hinterziehen. Allerdings ist die Funktion eine Hyperbel: Dass
es überhaupt einen Bonus gibt ist wichtig, aber er bewirkt immer weniger
zusätzlich, je höher er wird.
p = 1/(1+S) hat ebenfalls eine ebenso anschauliche wie plausible
Interpretation: Je höher die Strafe im Entdeckungsfall ist, desto
seltener braucht die Fahnderin zu prüfen. Klar, denn dann traut sich der
Steuerzahler nur seltener zu hinterziehen. Aber die Formel hält noch eine
Überraschung für die Steuergewerkschaft bereit: die optimale
Prüfwahrscheinlichkeit liegt sehr weit von 100% entfernt. Versuchen wir
einmal, die Werte abzuschätzen:
Wie hoch ist die Strafe S im Vergleich zur
möglichen Steuerersparnis? Die Antwortet lautet (aller Neiddebatte zum
Trotz): die Strafe ist verdammt hoch. Auf Steuerdelikte gibt es bis zu 10
Jahren Haftstrafe, das ist vergleichbar mit Totschlag. Außerdem ist für
jeden unbescholtenen Bürger die Karriere nach einer solchen Aktion ein
für alle mal beendet. Herr Zumwinkel hätte mit Sicherheit allein an
Gehalt und möglicher Abfindung weit mehr bekommen als die Million, die er
hinterzogen haben soll. Der Imageverlust ist ebenfalls weit höher als
eine Million für ihn. Sagen wir also einmal, die Strafe sei S = 5. Dann
ist die optimale Prüfwahrscheinlichkeit für die Fahnderin p = 1/(1+5) =
1/6. Das ist mit Sicherheit ziemlich nah am echten Wert. Für uns
Normalverdiener ist S sicherlich noch viel höher, weil wir im Vergleich
zur möglichen Ersparnis so riesige Transaktionskosten haben. Daher reicht
für den Kleinsteuerzahler schon eine Prüfwahrscheinlichkeit von 1/20, um
aus staatlicher Sicht optimal zu sein.
So weit die Berechnungen. Aber was passiert eigentlich, wenn die
Prüferin meine Formeln einfach nicht glaubt und häufiger prüft? Ganz
einfach: Sie bekommt weniger Bonus. Denn die Reaktion des Steuerzahlers darauf
ist, dass er seltener hinterzieht. Daher wendet sie jeweils die
Prüfkosten auf, nur um festzustellen, dass er nicht hinterzogen hat. Das
wird teuer für sie.
Wie die Fahnderin, so die Kanzlerin
Nun können wir auch eine Abstraktionsstufe höher gehen: Nicht mehr
die Fahnderin spielt gegen den Steuerzahler, sondern die Bundeskanzlerin
gegen die Steuerzahler. Auch sie bekommt durch die Prüfung im Erfolgsfall
einen Bonus (das sind die zusätzlich erhobenen Steuern und die Strafen),
und auch sie entscheidet über die
Wahrscheinlichkeit, mit der geprüft wird (mittels der Anzahl der Prüferinnen). Auch hier gilt: Es kommt nicht
auf die Höhe des Bonus im Vergleich zum Steuerzahler an, sondern auf den
Vergleich zu den Prüfkosten und zur Nicht-Prüfung, die wir auch für die Kanzlerin als null normiert haben.
Folglich gelten für sie die gleichen Formeln wie für die einzelne Fahnderin. Und auch hier gilt: Zu viel prüfen ist nicht optimal, sondern
führt dazu, dass sie durch die Prüfkosten mehr verliert als sie durch
die Prüfungen gewinnt.
Was zu der Aufgabe führt, die Prüfkosten einmal abzuschätzen. Die
liegen nämlich keineswegs in dem (eher geringen) Beamtenlohn, sondern in
dem Teil der Reaktionen der Steuerzahler, die wir hier nicht mit
abgebildet haben. Denn einmal Hand aufs Herz: Wollen Sie in einem
Überwachungsstaat leben? Schon dieser Verlust an Lebensqualität ist Teil
der Kosten, aber glauben Sie, dass die "Reichen" sich das
gefallen lassen? Vermutlich wären die "Reichen" die ersten, die
das Land
verlassen. Und die weniger Reichen machen etwas stilleres, das in der
Wirkung aber mindestens ebenso dramatisch ist: Sie arbeiten
weniger, weil hohe Steuern den Anreiz zur Arbeit verringern. Und das
dürften die eigentlichen Kosten der übertriebenen Überwachung sein. Es
ist kein Wunder, dass einige Bundesländer weniger streng prüfen als
andere. Diese Länder haben erkannt, dass es Standortpolitik sein kann,
durch weniger rigide Prüfungen arbeitsame Menschen anzuziehen, die dann
in der Summe trotz geduldeter kleiner Schummeleien doch mehr Steuern
zahlen als die "faulen Ehrlichen".
Lohnt sich Steuerhinterziehung?
Vielleicht fragen Sie sich nun, ob sich Steuerhinterziehung vielleicht
doch lohnt, wo doch die Bundeskanzlerin aus Eigennutz nur mit recht
geringer Wahrscheinlichkeit prüfen lassen sollte. Auch darauf hat unsere
kleines Modell eine sehr präzise Antwort: Es lohnt sich nicht. Das
Optimum für die Prüferin schreibt nämlich vor, genau so viel zu
prüfen, dass es sich für den Steuerzahler gerade eben nicht lohnt zu
hinterziehen, weil er bei Hinterziehung im Erwartungswert ebensoviel
bekommt wie bei Steuerehrlichkeit: in beiden Fällen null. Daher können
Sie sich jetzt einfach zurücklehnen und es so machen, wie Sie es schon
immer getan haben: alles brav deklarieren. Die Prüfwahrscheinlichkeit ist
in Verbindung mit der Strafe gerade genau so hoch, dass Sie sich durch Hinterziehen
nicht verbessern können.
Aber: Einige unter Ihnen werden mir das nicht glauben.
[2] Und wenn es mir
alle glauben würden, würde es auch nicht stimmen.[1] Daher wird es immer
einige unter Ihnen geben, die eben doch versuchen, Steuern zu
hinterziehen. Genau deshalb muss unsere Fahnderin doch immer wieder
prüfen. Nur nicht zu oft.
Prüfungswahn und zu wenig Kontrolle
Der hier besprochene Zusammenhang taucht übrigens auch bei
anderen Gelegenheiten auf, nicht nur bei der Steuer. Haben Sie sich zum
Beispiel einmal gefragt, weshalb es vergleichsweise wenig Radarfallen
gibt? Viele halten mich für zynisch, aber es gibt einen einfachen Grund
dafür: Weil es die Einnahmen durch Strafen maximiert. Gäbe es zu viele
Kontrollen, würde niemand mehr zu schnell fahren und die Einnahmen wären
für den Staat dahin. Genau das ist übrigens wieder mal der DDR passiert: Auf der Transitautobahn
nach Westberlin gab es für die marode DDR-Wirtschaft eine tolle Einnahmequelle durch Strafzettel
für Wessi-"Raser", denn Westmark waren für die DDR-Diktatoren sehr viel wert.
Leider war das DDR-Regime so kontrollbesessen, dass sie überkontrolliert
haben. Hinter jedem Baum stand eine Radarfalle in der Hoffnung auf
Westmark, mit dem Erfolg, dass
niemand zu schnell fuhr. Daher waren die Einnahmen viel geringer als sie
hätten sein können. Kommt davon, wenn man es mit der Überwachung
übertreibt.
In die gegenteilige Falle ist Mercedes getappt. Autos von Mercedes
hatten einmal eine so hohe Qualität, dass es nur eine verschwindend kleine
Fehlerquote gab, die von der Endkontrolle an Ende der Fertigung aufgedeckt
wurde. Was lag näher als einfach die Endkontrollen einzustellen, die ja
sowieso fast nie etwas gefunden haben? Leider war das ein
verhängnisvoller Fehler. Denn ein Blick auf unser Kontroll-Spiel zeigt,
was passiert, wenn es keine Kontrollen mehr gibt: Die Fertiger beginnen zu
schlampen. Mercedes hat (zumindest eine Zeit lang) übersehen, dass die Fehlerquote nur deshalb so
gering war, weil es die Kontrollen gab. Der Sinn der Endkontrolle war also
keineswegs, Fehler zu finden, sondern Fehler zu verhindern.
Genau so ist es bei der Steuerfahndung: Nicht der Erlös aus
Steuernachzahlungen ist der eigentliche Gewinn der Steuerfahndung, sondern
der Gewinn ist die gewonnene Steuerehrlichkeit durch die Möglichkeit der
Entdeckung bei Hinterziehung. Aber alle Hinterziehung vollständig verhindern zu
wollen, wäre für die Staatskasse ein schlechtes Geschäft. Und für
die Menschen allemal.
Das Dilemma der Steuereintreiber 
Ich habe oben argumentiert, dass Bundesländer mit sanfteren
Steuereintreibern eventuell mehr Steuern bekommen, weil sich dort die
Firmen lieber ansiedeln. Ein Leser meiner Seite weist auf einen
interessanten Sachverhalt hin, der hier mit hineinspielt. Es gibt nämlich
ein übles Dilemma der Bundesländer:
<Zitat:> Es gibt leider noch einen zweiten Grund für dieses Länderverhalten: die unsägliche Ausgestaltung des Länderfinanzausgleichs.
Die "Grenzbelastung" eines Nettozahlers im Länderfinanzausgleich ist extrem hoch. (Meines Wissens in der Regel über
90%. Umgekehrt ist auch der "Grenzertrag" eines Netto-Empfängers sehr hoch. Sinkende Steuer-Einnahmen werden diesen Bundesländern ebenfalls zu über 90% kompensiert).
Von einem zusätzlich eingenommenen Steuer-Euro bleibt einem Bundesland daher fast nichts, ganz egal ob es Nettozahler oder Nettoempfänger ist.
Zusätzlich kommt erschwerend hinzu, dass die Finanzämter zwar von den Bundesländern betrieben werden, jedoch auch für die Einziehung der Bundessteuern zuständig sind.
Es besteht hier also ein schwerwiegendes Moral-Hazard-Problem:
Das Bundesland profitiert nur im niedrigen einstelligen Prozentbereich von den durch seine Finanzbeamten eingetriebenen Steuern.
Den Kontrollaufwand bezahlen muss es aber voll (und zwar sowohl den direkten Kontrollaufwand als auch die von Ihnen zu recht angesprochenen "indirekten" Kosten durch Anpassungs-Reaktionen seiner Steuersubjekte).
<Zitat Ende>
Das sind außerordentlich interessante Argumente. Ich habe die
zugrundegelegten Zahlen nicht nachgeprüft, aber auch bei abgeschwächten
Zahlenwerten würden die Argumente noch in vollem Umfang gelten. Das
zeigt, dass es sich für Politiker lohnt, einmal vorher die Konsequenzen
der Mechanismen
zu durchdenken, die sie in Gesetze fassen.
Lust auf weitere spieltheoretische Analysen? Dann werfen Sie doch
einmal einen Blick in das von mir übersetzte Buch Coopetition
- Spieltheorie im Geschäftsleben.
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[1] Wieso eigentlich nicht? Die Begründung geht ein
wenig um die Ecke: Wenn alle Steuerzahler ehrlich wären, dann brauchte
man sie nicht zu prüfen. Wenn aber nicht geprüft wird, dann lohnt es
sich, Steuern zu hinterziehen. Der Zustand, dass alle ehrlich sind,
zerstört sich daher von selbst - er ist eben kein Gleichgewicht. Der
erste Denkschritt der ebigen Argumentation taucht übrigens auch in dem
Fallbeispiel der Endkontrollen von Mercedes auf.
[2] Ich halte die Quintessenz des hier verlinkten
Artikels übrigens für vollkommen verkehrt: Demokratische Gesetze sind
dafür da, eine gesellschaftliche Übereinstimmung zu
institutionalisieren. Wenn Gesetze einen so wesentlichen Teil der
Bevölkerung kriminalisieren wie in dem Artikel behauptet (sofern das denn
zutrifft), dann stimmt etwas mit den Gesetzen nicht, nicht mit den
Menschen. Mit immer mehr staatlicher Brutalität zu reagieren ist keine
demokratische Verhaltensweise, sondern der schleichende Beginn einer
Diktatur. Das gilt nicht nur hier, sondern auch in anderen Bereichen wie
Jugendkriminalität oder Straßenverkehr. Gesetze sind dafür da, dass es
den betroffenen Menschen besser geht, nicht schlechter. Wenn die Gesetze
dieses Ziel nicht erreichen, dann muss man sie ändern.
[3] In der Version dieser Seite vor dem 20.11.09
hatte ich vergessen, in der Matrix die Prüfkosten von dem Bonus
abzuziehen, daher stand damals (fälschlicherweise) als Auszahlung bei
Prüferfolg der Betrag B statt jetzt B-1. Die nachfolgenden Rechnungen
basierten aber auf der korrekten Matrix, sodass sich an den Ergebnissen
nichts ändert. Ich bedanke mich an dieser Stelle noch einmal ganz
herzlich bei einem netten Mathematik-Lehrer und seinem Mathematik-Seminar,
dass sie mich darauf aufmerksam gemacht haben.
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